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Nachruf

«Das Leben feiern» war ihre Devise, und sie liebte das bunte Leben – auch wenn sie daneben gegen eine heimtückische Krankheit kämpfte, die manchmal zu verschwinden schien, dann aber wieder verstärkt zurückkam. Auch die Auszeit, von der im letzten Reflok noch die Rede war, konnte ihre Lebenskräfte nicht mehr zurückbringen; schliesslich war die Krankheit stärker. So ist Brigitte Becker am 28. Juli im Alter von 52 Jahren gestorben – viel zu früh.

Brigitte Becker war zuerst für die Evangelische Kirche der Pfalz tätig, dann Studienleiterin des Tagungszentrums Boldern und ab 2012 Theologin mit Schwerpunkt Spiritualität bei der Zürcher Landeskirche. Im Oktober 2016 wurde sie zusammen mit Liv Zumstein-Kägi als Pfarrerin in 50%-Anstellung an die Johanneskirche gewählt.
Ein grosses Anliegen war ihr, Kirche im urbanen Umfeld zu gestalten. Den Schwerpunkt Kunst prägte sie, indem sie die Lust zum Dialog mit verschiedenen Künsten und deren Sprachen zu wecken und in dieser Vielsprachigkeit Themen des Lebenssinns, der Lebensgestaltung und des Transzendenten anzusprechen wusste, durchdacht, tiefsinnig, aber auch kritisch, herausfordernd und provozierend. «Augenfälliges interessiert mich besonders – in meiner Arbeit sind Kunst und Kirche im Gespräch. Am liebsten mache ich was Konkretes, damit mir was auffällt oder zufällt oder einfällt. Oft spiele ich, als Clownin oder/und fast noch lieber mit der Kunst (PlayingArts).»

Eindrücklich waren Brigittes Vespern und Gottesdienste. Mit grosser sprachlicher Virtuosität und Klarheit gelang ihr, das Wesentliche des Glaubens auch Menschen nahe zu bringen, die nicht mit der «Kirchensprache» vertraut sind. Mit feinem Humor, Poesie und Hintersinn verstand sie es, ihre Zuhörer*innen zum Nachdenken über die kleinen Schönheiten des Alltags einzuladen. «Als sie den Mund aufmachte, merkte ich auf. Ich musste hinhören – diese Frau hatte mir etwas zu sagen!», so die spontane Reaktion einer Studentin. Der Satz «Geht es Ihnen nicht auch manchmal so…?» stand oft am Anfang oder Ende von Brigittes Betrachtungen, und man spürte: hier stand jemand voll im Leben, bejahte es, auch in Zeiten der Krankheit. So entstanden liturgische Kunstwerke, wo sich Wort, Klang und Stille wie feingeschliffene Mosaiksteine ineinanderfügten: «Ich mag kleine und grosse Liturgien, gelungene ‘religiöse Aufführungen’. Ich möchte, was ich glaube, ganz alltäglich sagen können und für mich ‘fromm’ sein, ohne das Engagement für die gerechte Welt zu verlieren. Ich habe die Bibel immer noch gern und versuche, sie täglich ins Leben und in Worte zu übersetzen.»

Brigitte Beckers grosse Kreativität inspirierte, ihre innere Unabhängigkeit, ihre genauen Analysen, ihre Ecken und Kanten regten an, forderten heraus und machten das Leben in der Johanneskirche farbig. «Was ist uns gut gelungen – wovon wollen wir mehr?» war ihr festes Traktandum an Teamsitzungen. Brigitte wollte, dass unsere Arbeit Sinn und Lust machte, sie wollte säen, erste Pflänzchen begiessen und pflegen. Auch was sie nicht wollte, machte sie deutlich: alles, was Energie wegfrass, ergebnislose Sitzungen, fruchtlose Diskussionen, rollende Strukturänderungen. Vieles von dem, was Brigitte für Kirchenort und Kirchenkreis entwickelt hat, wird in den kommenden Jahren weiter aufblühen.

Team der Johanneskirche und Kirchenkreiskommission vier fünf
Matthias Haupt, Co-Präsidium

 
Wöchentlich erklingt abwechslungsweise geistliche Chor-, Ensemble- und Orgelmusik aller Epochen und Stile
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Unsere nächsten Gottesdienste und Veranstaltungen auf einen Blick.
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